Victor Popov
über Victor Popov

     
     
 

»Der Lieblingsmaler meiner Kindheit war Surikow.
An seinen Bildern gefielen mir vor allem der
kompositiorische Aufbau und die Farben, auch wenn
mir das damals noch nicht so bewußtwar. Schon als
Schüler ging ich in die Natur hinaus um zu zeichnen,
malte in Öl und später Aquarelle. Mein Vater
unterstützte mich dabei und besorgte mir Farben und
Kunstbücher. Er war ein einfacher Elektriker.

  Mit 17 Jahren ging ich auf Wanderschaft und auf die
Suche nach mir  selbst. Zunachst kam ich ins sibirische
Semipalatinsk, dem Zentrum der russischen
Atomversuche. Man kann nicht sagen, daß ich damals
schon davon träumte, Künstler zu werden. Aus
irgendwelchen Gründen hielt ich mich für einen
schlechten Zeichner und suchte nach einer Möglichkeit,
diese Kunst zu erlernen. So ging ich nach meinem
Wehrdienst nach Alma-Ata und besuchte dort eine
Zeichen- und Malschule. Im Alter von 20 wurde mir
schließlich bewusst, daß ich ohne Kunst nicht mehr
leben kann. So nahm ich ein Kunststudium an der
Hochschule für angewandte Kunst im westukrainischen
Lemberg auf. Nach meiner Kindheit in den
kasachischen Steppen und Bergen fand ich mich also
plötzlich im Zentrum Europas wieder.

  lch versuchte so zu malen, wie ich die Dinge sah und
wie mich meine Hand selbst lenkte. Dies brachte mir
allerdings den Tadel meines Lehrers ein und ich härte
schließlich auf, meine Arbeiten zu zeigen. lch begann,
meine Bilder in einem ganz anderen Licht zu sehen.
Alles bislang Gelernte war mir nun fremd und ich
mußte meinen eigenen Stil finden.

  Später in Petersburg habe ich dann wider
konsequent meine eigenen Ziele verfolgt und versucht,
Leute und Dinge meiner Umgebung darzustellen. Mich
interessierte nun vor allem die Darstellung einer
phantastischen Realität. Humor und eine gewisse
Distanz von den dingen bewahrte mich davor, den
Versuchungen eines Bohemelebens zuerliegen. Meinen
Lebensunterhalt verdiente ich mit Holzschnitz- arbeiten
für Kinderspielplatze. Dieses Handwerk habe ich bis
heute nicht aufgegeben und brachte mir noch nebenbei
auch eine Reihe anderer Fertigkeiten das
Tischlerhandwerks bei.

  Im Mittelpunkt meiner Arbeiten stehen immer
Menschen. Meine Helden sind keineswegs einfache
Persönlichkeiten, sondern Führer und Weise, die
davon traumen, Völker zu Ohren und die Wahrheit
Persölichkeiten, sondern Führer und Weise, die davon
träumen, Völker zu führen und die Wahrheit zu
verkünden. Weil aber solche Bestrebungen immer
etwas zweifelhaft sind, sind meine Figuren komisch.
Natürlich möchte auch ich irgendeine Wahrheit
finden; doch dem Material, der Arbeit und dem Instikt
des Künstlers vertraue ich mehr als irgendwelchen
hohen Ausgeburten des Geistes. Meine Experimente
setze ich mittlerweile in Deutschland fort, genauer
gesagt in der Eifel, deren Landschaft mich teilweise an
meine Heimat im Vorgebirge des Altai erinnert.«

 

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